Das erste Mal Heimbrauen

Das erste Mal Heimbrauen

Es ist der letzte Samstag vor Weihnachten und wir weihen unsere Heimbrauanlage mit einem schönen IPA ein. Auf diesen Moment freuen wir uns schon seitdem wir die Anlage bekommen haben.

Alle Zeichen stehen auf los. Mit Max und Andy haben wir uns bereits zweimal vor dem großen Brautag getroffen. Einmal um die Hardware und einmal um die Software zu installieren. Die Hardware hat etwa eine Stunde benötigt, inklusive Raum ausputzen, Schrotmühle installieren und die Geräte auspacken und positionieren. Die Software, also das Einbinden des Speidel Braumeisters in das Heim-Netzwerk war etwas zeitaufwendiger. Wir mussten uns erstmal durch den Netzwerkdschungel von Max arbeiten. Dann haben wir einen Account auf Speidel.com angelegt. Dazu haben wir die Geräte registriert und den Braumeister an das WLAN Netzwerk angeschlossen. Die Erkennung hat wunderbar funktioniert und als alles eingerichtet war, gab’s erstmal ein wohl verdientes Feierabendbierchen. Die Rezeptur und den Brauvorgang aber wir anschließend ins Protokoll auf Speidel.com eingetragen und auf den Braumeister übertragen. Mit einem guten Gefühl konnten wir so die Vorbereitungen abschließen und gut schlafen.

Aber nun ist Samstag und alle Jungs von Kraftbier0711 – Thomas, Phil, Max, Andy und Chris sind am Start. Phil richtet die Kameraanlage ein. Chris macht sich mit Laptop und Handy bereit. Max putzt und kümmert sich um die Jungs, Andy stellt den Braumeister ein und Thomas malt das Malz. Phil hat extra aus Weilimdorf Bodenseewasser mitgebracht, da dies uns leider in Feuerbach verwehrt bleibt. Die Wasserqualität vom Bodensee ist deutlich besser, als die des mitteldeutschen Wassers in Feuerbach. Das haben anfängliche Tests ergeben, die Chris bereits im Vorfeld gemacht hat.

Aber jetzt geht es erstmal los mit dem Schroten. Die Malzmühle wird an der Drehschraube am hinteren Ende eingestellt, so kann der Quetschgrad des Malzes bestimmt werden. Dies benötigt etwas Geduld und vor Allem Erfahrung. Um das perfekte Ergebnis zu erhalten müssen die Spelzen leicht brüchig und der Großteil angebrochen sein. Die Spelzen dürfen nicht zu fein gemahlen werden, da sie später beim Läutern als Filter dienen sollen. Der Kern sollte herausschauen und zum Stärkeabbau bereit sein. Nachdem wir insgesamt 4kg Pale Ale und 1/2 kg Cara Pils Malz geschrotet haben, gibt es erstmal ein Pausen-Bierchen.

Tip 1

Schrotet das Malz feiner, um eine gute Sudausbeute zu bekommen. Bei einem herkömmlichen Behälter ohne Filtersieb, sollten die Spelzen etwa bei 1,6 mm Durchmesser liegen. Bei dem Braumeister mit eingebautem Sieb, können die Spelzen feiner sein, so bei 1,2mm.

Andy kippt die 23l Bodenseewasser rein und heizt den Braumeister im Brauprogramm auf 63°C hoch. Das Gerät heizt automatisch auf Einmaischtemperatur, nachdem wir den Knopf betätigt haben. Das ist Technik und so müssen wir nicht, wie beim ersten Mal brauen ein Thermometer verwenden. Als die 63°C erreicht sind gibt der Braumeister laut, Max und Andy, kippen darauf das leckere Braumalz rein. Lecker? Ja weil es eben gut schmeckt.

Die Flüssigkeit gerät etwas in Wallung. Jetzt heißt es wieder Geduld und zwar genau 80 Minuten. Und wieder Zeit für ein Bier und ein paar Zeilen Text. Durch die Malzgabe wird die Flüssigkeit wieder leicht gekühlt und muss erst wieder auf 63°C hochfahren. Dann geht der Countdown des Einmaischprozesses wieder weiter. Bei unserem IPA Rezept haben wir eine verlängerte Maltoserast, in dieser Phase wird der größte Teil des Malzzuckers entwickelt, der später der Hefe als Nahrung dient, um den Zucker in Alkohol umzuwandeln. Ganz typisch für ein IPA, kann dadurch ein höherer Alkoholgehalt erreicht werden.

Um eine möglichst effektive Maischeausbeute zu bekommen, wird das überkochende Wasser erneut durch eine Pumpe in einem vom Speidel entwickelten Kreislaufsystem von unten nach oben gepumpt. Für eine noch höhere Effizienz schaltet die Pumpe automatisch zwischendurch ab, damit sich die Position der Maische verändern kann und die vorher nicht ausgeschwemmten Teil ebenso erreicht werden. Theoretisch kann man diesen Prozess auch durch das Rühren und Auflockern mit einen Braulöffel erreichen, jedoch ist hier der Vorteil, dass man dabei nicht auf die gleichmäßige Umdrehung der Maische achten muss. Und am Wichtigsten die Maische brennt am Torfboden nicht an. Hier stellt sich schon einmal heraus, dass wer billig kauft, irgendwann sich ärgern wird.

Tip 2

Probiert das Malz in jedem Brauprozess, das gibt Euch die benötigte Erfahrung mit der Zutat und ihr bekommt einen guten Eindruck, wann das Malz wie schmeckt.

Andy kalibriert in der Zwischenzeit das Refraktometer für die Bestimmung des Stammwürzegehaltes. Parallel nutzen wir auch die Spindel, um mit beiden Geräten unsere Erfahrung zu machen. Nebenher gibt’s ein kleines Tasting mit Van Moll Craft Bieren, das ihr in einem weiteren Post verfolgen könnt. Nach der 70-minütigen Maltoserast erhitzt sich der Braumeister auf 73°C zur ersten Verzuckerungsrast. Hierbei werden weiter Stärkeanteile von den aktiven Enzymen aufgespalten und in der Würze verflüssigt. Die Rast wird für 5 Minuten gehalten. Nach den 5 Minuten Rast machen wir uns auf den Weg zur zweiten Verzuckerungsrast bei 78°C. Hier wird die Reststärke verzuckert, welche das Bier vollmundiger macht.

Wenn die Zuckerrasten lang genug eingehalten wurden, sollte die Stärke vollständig umgewandelt worden sein. Dies lässt sich mit einer Jodprobe nachprüfen.
Nach der erfolgreichen Probe, wie man auf den Bildern sehen kann, läutern wir zufrieden ab. Dafür brauchen wir mindestens einen Liter Nachguss, um die Menge von 21l insgesamt halten zu können. Das Wasser dafür haben wir parallel schon im Einkochautomat erwärmt und auf die selbe Temperatur, wie die Maische von 78°C gebracht. Das Sieb wird entfernt und die Maische freigelegt, um den Nachguss mit viel Sorgfalt darüber zu leeren. Der Messzylinder der Spindel steht schon zum Abkühlen bereit. Mit dieser Probe, die wir auf 20°C Außentemperatur vor dem Fenster abkühlen, können wir den aktuellen Stammwürzegehalt genau ermessen. Während die Probe abkühlt nehmen wir das Trebersieb raus und starten das Hopfenkochen. Aus der Probe konnten wir erlesen, dass wir einen Stammwürzegehalt von ca 11°Plato hatten.

Dann heizt der Braumeister auf 100°C hoch. Das dauert seine Zeit und zwischendurch kocht die Flüssigkeit mit dem Speziellen Deckel mit Abluftrohr auch mal über. Wir entfernen den Deckel und die Temperatur sinkt drastisch. Nach ein paar Feinjustierungen entschließen wir uns doch den Deckel drauf zu lassen und auf 100°C mit unserem Sud weiterzugehen.

Tip 3

Auch wenn die Flüssigkeit sehr hoch kocht, lasst den Deckel mit Abluftrohr einfach auf dem Braumeister drauf, um die Temperatur konstant zu halten.

Dann zählen wir den Countdown runter und die erste Hopfengabe erfolgt. Gib alles kleiner Hopfen! Wenige Zeit später kommt der zweite Hopfenkumpel zum Einsatz. Durch das Sinken des Würzespiegels entstehen Ablagerungen am Rand des Topfes. Diese waschen wir mit ab, damit wir die volle Essenz Hopfen mit dabei haben. Die dritte Hopfengabe ist ein Erfolg und wir machen uns auf zum Endspurt. Brauen ist einfach genial mit dem Braumeister.

Dann ist es soweit. Die Anzeige zeigt Jetzt Whirlpool …dann kühlen… dann Gären. Die Jungs sind eifrig am Werk und kühlen die Würze runter. Der Kühlmantel füllt sich und die Gardena Schläuche laufen auf vollen Touren. Das tolle an diesem Braumeister Kessel ist, dass man einfach durch zwei herausschauende Anschlüsse einen beliebigen Gardena Schlauch zum Kühlen anschließen kann. Dabei läuft die Kühlflüssigkeit durch den kompletten Außenmantel und hat so die Größtmögliche Fläche um die Kühlung der Würze vortsanzutreiben. Es zeigt sich aber langsam das die Sudhausaubeute oder besser die Braumeisterausbeute deutlich geringer ist als 20l. Was das angeht sind wir natürlich noch ziemliche Anfänger. Letztendlich haben wir eine Ausbeute von etwa 43% gehabt. Besser wären 65% +.

Zu guter Letzt wird die letzte Hopfengabe gegeben. Da diese am Ende des Kochvorgangs erfolgt, gibt der Hopfen weniger Bittere und dafür mehr Aroma ab. Jetzt wird erstmal gerührt und gekühlt. Als dann die Temperatur endlich auf die benötigten 27°C Anstelltemperatur gefallen ist, erfolgt das Abfüllen. Der Whirlpool holt im Abkühlen das Letzte aus der vierten Hopfengabe raus. Und dann…

… das finale Abschlauchen. Schön langsam und mit viel Bedacht läuft unser erstes Bier seiner Hefegabe entgegen. Zu guter Letzt kommt der Mikroorganismus in die Flüssigkeit und jetzt vertrauen wir ihm vollkommen unseren feinen Sud an. Bis in 2 Wochen zum Abfüllen in die Flaschen zur Nachgärung.