Milwaukee Refraktometer

Milwaukee Refraktometer

Auch in Zeiten von Corona lassen wir uns vom Brauen nicht abhalten. Beim letzten NEIPA Brausud sollte nicht nur das Low Oxygen Brewing ausprobiert werden, sondern auch das Milwaukee Refraktometer MA885 gesponsert von Hopfen und Mehr zum Einsatz kommen und unsere bisherige Spindel ersetzen.

Was ist ein Refraktometer?

Ganz grunds√§tzlich ist ein Refraktometer ein Messger√§t zur Bestimmung des Brechungsindex von transparenten Stoffen in fl√ľssiger oder fester Form. Wenn man dann noch wei√ü welche grunds√§tzliche Zusammensetzung eines Stoffs bekannt ist, kann daraus die jeweilige Konzentration, der dort enthaltenden Stoffe gemessen werden. So werden solche Messger√§te z.B. zum Messen des Zuckergehalts von Wein oder √Ąpfeln verwendet. Auch beim Brauen k√∂nnen wir ein solches Messger√§t gut gebrauchen und als alternative zum klassischen Spindeln einsetzen.

Unterschiedliche Systeme

Es gibt unterschiedliche Systeme, wie ein Handrefraktometer (ohne Batterie), mit dem wir bisher gearbeitet haben, oder das von uns hier verwendete MA885 (mit Batterie). Im Vergleich zum normalen Spindeln ben√∂tigen wir nur wenige Tropfen f√ľr die Messung, was den gro√üen Vorteil mit sich bringt, dass die W√ľrze sehr schnell auf die Messtemperatur (ca. 20 Grad) herunterk√ľhlt. Zus√§tzlich haben einige Ger√§te eine eingebaute Temperaturkorrektur, was noch mehr Genauigkeit mit sich bringt. Beim Spindeln hingegen m√ľssen wir jedes Mal 100ml entnehmen und √ľber eine Korrekturtabelle oder √ľber eine Brau-App die Korrekturwerte bestimmen, da es einfach zu lange dauert bis die 100ml auf 20 Grad heruntergek√ľhlt sind.

Was bringt uns genau das Refraktometer?

Eine wesentliche Kennzahl beim Brauen ist die Menge der gel√∂sten Stoffe im Brauwasser. Dies sind vorrangig unterschiedliche Zuckerarten aber auch andere Stoffe, deren Gesamtkonzentration im Brauwasser mit Plato angegeben wird. Unser Zuckerrefraktometer gibt den reinen Zuckergehalt im Brauwasser mit dem Brechungsindex Brix an. M√∂chte man den Plato Wert mit dem Zuckerrefraktometer bestimmen, dann muss also noch mit einem Korrekturfaktor zwischen 1,02 und 1,06 dividiert werden. Dieser Wert weicht f√ľr andere Zusammensetzungen von Stoffen in Fl√ľssigkeiten ab, ist daher also eine N√§herung f√ľr den Brauprozess (wie bereits erw√§hnt haben wir fast nur Zuckerarten im Brauwasser). Der korrigierte Brix Wert ist unsere gesuchte Plato Angabe und damit der Wert, der bei der beim Spindeln ermittelt wird.

Wie man sieht basiert die Berechnung auf der Tatsache das man die Inhaltsstoffe einer Fl√ľssigkeit kennt. Was passiert jetzt aber beim G√§rungsprozess? Auch hier m√∂chten wir das Spindeln durch das Zuckerrefraktometer ersetzen. Durch den beim G√§rungsprozess entstehenden Alkohol ver√§ndert sich die Zusammensetzung der Fl√ľssigkeit und wir k√∂nnen den Brix Wert nun nicht mehr, wie oben beschrieben, n√§herungsweise gleichsetzen. Wie wir oben bereits beschrieben haben, m√ľssen wir wieder die genaue Zusammensetzung der Fl√ľssigkeit kennen. Daher ben√∂tigen wir den aktuellen Alkoholgehalt des Bieres. Diesen sch√§tzen wir einfach anhand des Brix Wertes vor der Hauptg√§rung ab. Mithilfe einer Berechnungsgleichung (findet man im Internet oder in der Literatur), l√§sst sich schlie√ülich der Plato Wert erneut bestimmen. √úber eine kleine Excel Tabelle oder App kann man dann sehr schnell seinen korrigierten Brix Wert berechnen. Es empfiehlt sich aber eher Korrekturtabellen zu verwenden, was f√ľr den Hobbybrauerbereich ausreichend ist.

Die Anwendung des Refraktometers

Zuerst m√ľssen wir den Milwaukee MA885 mit einer Referenzprobe kalibrieren. Das Ger√§t muss schlie√ülich wissen bei welchem Brechungsindex kein Zucker bzw. Stoffe in der Fl√ľssigkeit sind. Hierzu nutzen wir handels√ľbliches destilliertes Wasser. Das Ger√§t wird eingeschalten und das destillierte Wasser auf die Messlinse gegeben. Nun wird der ‚ÄěNullwert‚Äú eingestellt. Zus√§tzlich stellen wir die entsprechende Messgr√∂√üe Brix ein.
Mit einer beiliegenden Pipette entnehmen wir jetzt einen Tropfen unserer W√ľrze und geben es auf die Messlinse. Da es ein sch√∂ner Tag ist und die Sonne scheint zeigt das Ger√§t aber direkt eine Fehlermeldung an. Erst als wir mit der Hand das Licht abschirmen kann das Ger√§t korrekt Messen. Bei der ersten Messung vor dem Kochen zeigt die Spindel 17,4 Plato an w√§hrend das Refraktometer nur 13,3 Brix anzeigt. Der Wert beim Spindeln bleibt dauerhaft konstant, w√§hrend der Wert am Refraktometer von 13,3 auf 17 steigt. Warum wir den stabilisierten Wert erst nach 5min erreichen, ist uns momentan nicht wirklich klar. Damit w√ľrde jeder Vorteil gegen√ľber dem Spindeln verloren gehen. Wir werden beim n√§chsten Sud das Ger√§t erneut einsetzen und auch dort wieder vergleichen. Auch beim G√§rungsprozess wird wieder mit Spindel und Zuckerrefraktometer gemessen.

Als keine Blobs mehr zu sehen sind schreiten wir zur erneuten Messung. F√ľr den korrigierten Brix Wert und Verwendung einer Korrekturtabelle muss man die Stammw√ľrze des fertigen Bieres kennen. Das Zuckerrefraktometer zeigt 7,4 Brix an und mit einer Stammw√ľrze von 15,5 % ergibt sich ein abgelesener Plato Wert von 2,4 Plato. Dem gegen√ľber steht der gespindelte Wert von 3,2 Plato. Auch mehrmaliges Messen mit dem Refraktometer zeigt keine Ver√§nderung im Brix Wert. Daher scheint durch die besseren Lichtverh√§ltnisse die Messung mit dem Zuckerrefraktometer jetzt stabil abzulaufen.

Fazit zum Refraktometer

Generell ist das Refraktometer eine gro√üartige Sache und wirklich sehr einfach anzuwenden. Dar√ľber hinaus ist es genauer als das klassische Spindeln und geht etwas schneller. Da wir f√ľr das Spindeln und die Temperaturkorrektur mit der App quasi die gleiche Zeit brauchen ergibt sich f√ľr uns pers√∂nlich erstmal kein Zeitvorteil. Auch der sich andauernd ver√§ndernde Brix Wert vor dem Hopfenkochen wirft uns noch Fragen auf. Hier werden wir den Hersteller kontaktieren bzw. es noch einmal beim n√§chsten Sud ausprobieren, ob nicht die hellen Lichtverh√§ltnisse zu der Messinstabilit√§t gef√ľhrt haben. Wir bedanken uns bei Hopfen und Mehr f√ľr das neue Rechenger√§t und daf√ľr einen Schritt dem besseren Homebrewing n√§her gekommen zu sein.