Kleine Sude, großer Geschmack

Warum ich nur noch in der Küche braue

Kleine Sude, großer Geschmack

Warum ich nur noch in der Küche braue

Warum ich seit 2 Jahren nur noch in der Küche braue

Vor zwei Jahren stand ich noch regelmäßig an meiner 60-Liter-Brauanlage, obwohl ich darin fast immer nur 20–30 Liter gebraut habe. Heute steht diese Anlage die meiste Zeit ungenutzt in der Ecke. Ich habe sie zwar noch, aber in diesem Jahr habe ich sie in neun Monaten genau einmal genutzt. Eigentlich immer dann, wenn ich Bier für andere Leute brauen will und einfach mehr brauche. Alles andere läuft mittlerweile in meiner Küche.

Wenn du selbst noch nie gebraut hast, aber gern für gutes Craft Beer Geld ausgibst, kannst du dich recht unkompliziert an das Thema Bierbrauen heranwagen: Deine Küche reicht nämlich völlig aus, um selbst Bier zu brauen. Man braucht weder Keller noch Garage noch eine teure und große Anlage.

Der Grund für meinen Umstieg war einfach: Ich bin in drei Stunden fertig, kann alles in die Spülmaschine stellen, habe eine Kiste Bier nach eigenem Rezept und kann währenddessen bei der Familie sein. Denn das wird häufig unterschätzt.

Bierbrauen findet in der Regel außerhalb des Wohnraums statt und zwar stundenlang an Wochenenden. Als Vater von zwei kleinen Kindern möchte ich die freie Zeit am Wochenende mit der Familie genießen. Jetzt braue ich abends nach der Arbeit, dann, wenn die Kleinen schlafen.

Welche Küchenbrauanlage kann man nutzen?

Die ersten Sude in der Küche waren einfach: mit großen Kochtöpfen, einem Küchensieb und einem Küchentuch zum Umschöpfen. Irgendwann kam ein kleiner Sack für BIAB (Brew in a Bag) dazu, bis mich das ständige Hantieren, Kleckern und Improvisieren so genervt hat, dass ich mir selbst ein System mit Edelstahlkorb gebaut habe, das BIAB in der Küche wirklich praktikabel macht.

Was ich dabei entdeckt habe, war die Freiheit zum Experimentieren. Ein missglückter Sud auf der großen Anlage bedeutet, dass 30 Liter Arbeit im Ausguss landen. Ein missglückter Sud in der Küche ist nicht schmerzhaft und man braut einfach noch einmal.

Deshalb habe ich in der Küche Dinge ausprobiert, an die ich mich vorher selten herangetraut habe: Fruchtbiere, Biere mit Koriander, Ingwer und Kräutern aus dem eigenen Garten, sogar Kartoffeln und Reis.

Nicht jedes Experiment schmeckt beim ersten Versuch und genau das ist der Grund für die kleinen Sude. Experimentieren, verbessern und ein eigenes Rezept entwickeln.

Besonders wenn du Kaufbiere klonen willst, brauchst du viele verschiedene Sude, um dich an das Original heranzutasten. Perfekt für kleine Chargen!

Das solltest du beim Brauen in der Küche beachten

Ganz ohne Kompromisse geht Küchenbrauen aber nicht: Wer nicht allein wohnt, muss den Brautag absprechen. Die Küche ist für rund drei Stunden blockiert und wenn die Abzugshaube abends eine Stunde auf voller Stufe läuft, ist bei mir nebenan im offenen Wohnzimmer an Fernsehen kaum zu denken.

Auch das Waschbecken zum Herunterkühlen der Würze und die Spülmaschine, die vorher extra ausgeräumt werden muss, sind für diese Zeit meine.

Gerüche sind häufig kein großes Thema, da eine gute Abzugshaube das meiste zuverlässig absaugt und es sowieso nicht unangenehm riecht.

Wer keine Abzugshaube oder nur eine Umluftvariante hat, sollte in der Nähe eines offenen Fensters brauen oder direkt auf den Balkon ausweichen. Nichts davon ist ein Problem, wenn man es früh genug durchdenkt und mit der Familie abspricht.

Was mich an der üblichen Einsteigerempfehlung stört: Vielen wird sofort zu einem Vollautomaten geraten.

Bierbrauen ist für mich zuerst ein traditionelles Handwerk, das in Deutschland übrigens seit 2020 sogar offiziell als immaterielles Kulturerbe eingetragen ist.

Wer dieses Handwerk lernen will, sollte es erst einmal mit den Händen tun, nicht mit Knopfdruck, Hebel oder Pumpen. Ein Automat ergibt für mich erst Sinn, wenn man das Handwerk beherrscht und irgendwann größere Mengen will.

Wem würde ich Küchenbrauen empfehlen?

Jedem, der einfach mal ins Hobby reinschnuppern will und sich für Craft Beer interessiert.

Mit gewöhnlichen Kochtöpfen geht das nur in sehr kleinen Mengen, so bekommst du aus einem 10-Liter-Topf am Ende oft nur 4–5 Liter Bier. Zum Ausprobieren reicht das, aber wenn dich das Hobby packt, lohnt sich eher eine kleine Küchenbrauanlage.

Besonders eignet sich das für alle mit wenig Platz, ohne Garten, Garage oder Balkon, für alle, die gern experimentieren und für alle, die insgesamt nicht viel trinken, denn zehn Liter in drei Stunden sind schon eine Kiste Bier, die erst mal geleert werden muss.

Für den ersten eigenen Sud in der Küche lohnt sich ein bisschen Vorbereitung.

Wer sich sein Setup selbst zusammenstellt, sollte vorher durchrechnen, wie viel am Ende tatsächlich im Glas landet. Durch Verdampfen, Trub und vermehrte Hefe im Gärbehälter geht immer etwas verloren.

Dazu kommt, dass du sowohl beim Kochen die Würze nicht bis zum Rand füllen darfst, als auch die Gärung einen Kopfraum für die Kräusen braucht.

Zum Kühlen der Würze reicht am Anfang ein einfaches Eisbad völlig aus und ein einsteigerfreundliches und erprobtes Rezept erspart unnötigen Frust.

Als ich mit dem Küchenbrauen angefangen habe, habe ich da auf meinem Blog oder im Podcast kaum drüber geredet. Erst als ich merkte, dass mir das so viel mehr Spaß macht und ich die alte Anlage kaum noch nutze, habe ich das Thema öffentlich besprochen.

Das Thema kam extrem gut an und viele Hobbybrauer zeigten Interesse.

Offenbar beschäftigt viele Bierliebhaber die gleiche Frage: Muss es wirklich ein ganzer Kellerraum sein?

Meine Antwort nach zwei Jahren Küchenbier: Nein. Die Küche reicht, wenn du deine Liebsten davon überzeugen kannst.

Auf meiner Webseite gibt es das komplette Thema Small Batch Brewing beziehungsweise Bierbrauen in der Küche vollständig beschrieben. Dort gehe ich auch noch detaillierter auf die Küchenbrauanlage ein.

Tobi Malzknecht

Über Tobias Meyknecht

Tobi widmet sich seit mehr als einem Jahrzehnt dem Hobbybrauen und hat sich in der deutschen Heimbrauer-Szene mit seinem Blog Malzknecht.de und dem Podcast „Bier und Brauen“ einen Namen gemacht. Sein Schwerpunkt liegt auf der Herstellung kleiner Sudmengen, für die es weder eine große Brauanlage noch viel Platz braucht. Mit praxisnahen Anleitungen, hilfreichen Tipps und fundiertem Fachwissen vermittelt er, wie sich auch in der eigenen Küche charaktervolle und qualitativ hochwertige Biere brauen lassen. Dabei richtet er sich gleichermaßen an neugierige Anfänger und ambitionierte Hobbybrauer.



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