Trip nach Dänemark
Trip nach Dänemark
Diesen Sommer stand Dänemark auf der Karte. Von Stuttgart ging es über Hannover und Flensburg zunächst ins Legoland und anschließend weiter ins schöne Jægerspris. Die Gegend rund um den kleinen Ort ist herrlich entspannt. Neben dem eigentlichen Dorf findet man jede Menge Wochenendhäuser mit großen Gärten und gemütlichen Häusern, die sich für ein paar Tage Urlaub mieten lassen. Für uns natürlich auch ein guter Ausgangspunkt, um die dänische Bierlandschaft etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Und die hat es in sich. Vor allem Kopenhagen ist längst eine feste Größe in der internationalen Craft-Beer-Szene. Neben den großen Namen wie Carlsberg haben vor allem kleinere Brauereien und die vielen spezialisierten Bierbars dafür gesorgt, dass die dänische Hauptstadt zu einer echten Pilgerstätte für Bierfans geworden ist. In Nørrebro, Vesterbro und den angrenzenden Vierteln liegen Brauereien, Taprooms und Beer Bars teilweise nur wenige Minuten voneinander entfernt. Namen wie Mikkeller, To Øl, Dry & Bitter, Alefarm, Gamma, Flying Couch oder Kølster gehören längst zur dänischen Craft-Beer-Landschaft.
Wir hatten im Vorfeld natürlich versucht, mit einigen der Kopenhagener Brauereien Kontakt aufzunehmen. Leider hat es bei manchen zeitlich nicht gepasst. Aber genau das gehört für uns inzwischen irgendwie zu einer Bier-Reise dazu. Nicht jeder Besuch lässt sich planen und manchmal entstehen die besten Begegnungen eben spontan oder erst beim nächsten Mal.
Supermarkt-Check
Bevor es zu den Brauereien ging, stand aber erst einmal der obligatorische Supermarkt-Check auf dem Programm. Und auch hier merkt man schnell, dass Craft Beer in Dänemark einen anderen Stellenwert besitzt. Ein Bier von To Øl findet sich eigentlich fast überall. Egal ob Netto, REMA 1000 oder andere Supermärkte, die Auswahl an interessanten Bieren ist ordentlich. Dazu kommen immer wieder kleinere dänische Brauereien, sodass man sich problemlos durch die lokale Szene trinken kann, ohne überhaupt eine spezielle Bierbar zu besuchen.
Die Preise sind für dänische Verhältnisse dabei durchaus moderat. Gerade wer sich ein paar verschiedene Dosen mitnehmen möchte, kann im Supermarkt schnell eine kleine dänische Bierauswahl zusammenstellen. Für uns ist das ohnehin ein fester Bestandteil jeder Reise. Man weiß nie, welche Dose am Ende im Kühlschrank landet und welches Bier vielleicht zu einer kleinen Überraschung wird.
Dry & Bitter Brewing
Ganz oben auf unserer Liste stand allerdings Dry & Bitter Brewing Company. Das 2015 gegründete Unternehmen hat sich ursprünglich vor allem auf hopfenbetonte Biere spezialisiert und ist inzwischen weit über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannt. Dazu kommen mittlerweile auch Sour Ales, fassgereifte Biere und immer wieder Kooperationen mit anderen Brauereien, Künstlern und Musikprojekten.
Wir haben Dry & Bitter angeschrieben und tatsächlich hat es geklappt. So sitzen wir plötzlich mit Mercedes Doyle auf einer ziemlich einsamen Farm mitten im Nirgendwo. Und Mercedes ist eine Frau mit Power. Sie steht seit einigen Jahren hinter der Marke und führt uns durch die Brauerei. Dabei fällt schnell auf, dass bei Dry & Bitter nicht nur Männer den Laden am Laufen halten. Mehrere Frauen arbeiten hier und übernehmen wichtige Aufgaben.
Die Brauerei selbst ist über mehrere verwinkelte Gänge und Räume verteilt. Was heute modernste Brautechnik beherbergt, waren früher einmal Stallungen. Der Kontrast ist ziemlich cool. Alte landwirtschaftliche Gebäude treffen auf moderne Edelstahltanks und eine Produktion, die längst auf einem professionellen Niveau angekommen ist.
Wir bekommen einen Einblick in die verschiedenen Bereiche und sehen unter anderem das große Kühlhaus für die Fässer. Aus den großen Kesseln kommt das Bier in die weitere Verarbeitung und landet schließlich in Fässern und Dosen. Und davon gibt es reichlich. Die Kühlschränke sind ordentlich gefüllt und eigentlich möchte man sich direkt durch das komplette Sortiment probieren.
Besonders interessant ist für uns das Thema alkoholfreies Bier. Mercedes erzählt uns, dass alkoholfreie Biere auch bei Dry & Bitter immer wichtiger werden. Gleichzeitig ist der Anspruch in Dänemark hoch. Alkoholfreies Bier muss geschmacklich mit den vielen Softdrinks konkurrieren können. Einfach nur „kein Alkohol“ reicht also nicht. Es muss als Getränk funktionieren und vor allem richtig gut schmecken.
Das ist ein Ansatz, den wir durchaus unterschreiben können. Schließlich möchte man auch bei einem alkoholfreien Bier nicht das Gefühl haben, nur die abgespeckte Version eines richtigen Bieres zu trinken. Dry & Bitter arbeitet deshalb auch in diesem Bereich daran, Geschmack und Biererlebnis in den Vordergrund zu stellen.
Nach der Tour gibt es noch einiges zu erzählen und natürlich dürfen wir nicht mit leeren Händen nach Hause fahren. Mercedes drückt uns mehrere Dosen in die Hand. Perfekt für die Rückfahrt und vor allem perfekt für unseren heimischen Kühlschrank. Wir werden einige der Biere natürlich noch ausführlicher vorstellen.
Alefarm Brewing in Kopenhagen
Am letzten Tag klappt es dann tatsächlich doch noch mit einem Besuch in Kopenhagen. Wir sind mit Asbjørn von Alefarm Brewing in der eigenen Bar verabredet. Allerdings haben wir an diesem Tag einen ziemlich straffen Zeitplan. Es ist mitten am Tag und anschließend geht es für uns direkt weiter Richtung Malmö. Viel Zeit haben wir also nicht im Gepäck.
Alefarm ist eine spannende Geschichte. Die Brauerei wurde 2015 gegründet und startete zunächst in Køge. 2018 zog die Produktion nach Greve um, wo die Brauerei bis heute angesiedelt ist. Bereits in den ersten Monaten am neuen Standort wurde deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Allein in den ersten sechs Monaten entstanden mehr als 40 verschiedene Biere.
Heute steht Alefarm vor allem für moderne, aromatische und häufig sehr hopfenbetonte Biere. Die Bandbreite ist dabei größer, als es zunächst klingt. Neben IPAs und DIPAs gehören auch Lagerbiere, Sours, Stouts und fassgereifte Biere zum Sortiment. Im aktuellen Sortiment finden sich zudem alkoholfreie Varianten wie ein alkoholfreies Wheat Beer und ein alkoholfreies IPA.
Mit Asbjørn sprechen wir über die Brauerei, den dänischen Biermarkt und natürlich darüber, wie schwierig es inzwischen ist, sich in Kopenhagen gegen die große Konkurrenz durchzusetzen. Denn die Craft-Beer-Dichte in der Stadt ist enorm. Alefarm hat dabei seine eigene Nische gefunden und konzentriert sich stark auf hopfenbetonte Biere. Gleichzeitig steckt hinter vielen Bieren eine eigene Geschichte. Auch optisch wird das aufgegriffen, denn für die Etiketten und Veröffentlichungen arbeitet Alefarm immer wieder mit Künstlern zusammen.
Und dann wäre da natürlich noch die Bar selbst. Der aktuelle Alefarm Taproom in Kopenhagen liegt direkt an den Seen und bietet eine ziemlich besondere Kulisse. Dort laufen 20 Zapfhähne mit Bieren aus der eigenen Produktion. Neben den hopfenbetonten IPAs und DIPAs finden sich dort auch Lager, Sours, Stouts und saisonale Experimente.
Unser Besuch fällt leider deutlich kürzer aus, als wir es uns gewünscht hätten. Dafür ist die Ausbeute umso besser. Nach einem intensiven Austausch mit Asbjørn geht es für uns wieder weiter. Acht Dosen feinster Alefarm-Sud wandern ins Gepäck und machen sich mit uns auf den Weg Richtung Malmö.
Und genau deshalb lieben wir solche Bier-Reisen. Man fährt nicht einfach nur irgendwo hin, trinkt ein Bier und fährt wieder nach Hause. Man trifft Menschen, schaut hinter die Kulissen, lernt die Geschichten hinter den Etiketten kennen und nimmt am Ende ein Stück dänische Bierkultur mit nach Hause.
Die acht Dosen von Alefarm und die Biere von Dry & Bitter werden wir uns natürlich noch genauer vornehmen. Die Verkostungen folgen.
Bildquelle Titel: Depositephotos.com























