Pilsner Urquell: The Original Beer Experience

Pilsner Urquell: The Original Beer Experience

Pilsner Urquell: The Original Beer Experience
Ein Tag voller Biergeschichte, Zapfkunst und außergewöhnlicher Verkostungen

Prag ist ein Paradies für Bierliebhaber. Und wer die tschechische Bierkultur wirklich kennenlernen möchte, sollte sich die Pilsner Urquell Experience nicht entgehen lassen. Wir haben uns einen ganzen Tag Zeit genommen, um die interaktive Ausstellung, die Tapster Academy und das Beer Sommelier Lunch zu erleben. Was uns erwartete, war eine spannende Mischung aus Geschichte, traditioneller Zapfkunst, hervorragenden Bieren und einem Sommelier, der mit seinen Geschichten für echte Begeisterung sorgte.

Auf den Spuren des goldenen Bieres

Von der Biergöttin Ninkasi bis zu den böhmischen Königen
Die Reise beginnt lange vor der Erfindung des Pilsners und führt durch Jahrtausende der Biergeschichte. Von der sumerischen Biergöttin Ninkasi über die Gastfreundschaft der Römer bis hin zu den mittelalterlichen Klöstern erfährt man, wie wichtig Bier für die Menschen schon immer war. Besonders spannend fanden wir die Geschichten über die böhmischen Könige, den berühmten Saazer Hopfen und die strengen Gesetze, mit denen der Hopfenanbau geschützt wurde. Angeblich drohten Hopfendieben früher sogar drakonische Strafen. Die aufwendig gestalteten Räume, interaktiven Stationen und historischen Erzählungen machen die Ausstellung zu einer wirklich unterhaltsamen Reise durch die Biergeschichte.

Die Bierrevolte von Pilsen und die Geburt des Pilsners
Im 19. Jahrhundert stand es um die Bierqualität in Pilsen nicht besonders gut. Schlechte Rohstoffe, verdorbenes Bier der ausländischen Schundbrauer und unzufriedene Bürger führten schließlich zu einer regelrechten Bierrevolte. 1838 wurden aus Protest 36 Fässer minderwertiges Bier öffentlich ausgeschüttet. Die Bürger wollten ein hochwertiges, aber dennoch bezahlbares Bier und holten dafür den bayerischen Braumeister Josef Groll nach Pilsen. 1842 braute er das erste goldgelbe Pilsner, das später die gesamte Bierwelt verändern sollte. Besonders amüsant ist die Darstellung von Groll, der zwar ein hervorragender Braumeister gewesen sein soll, menschlich aber offenbar nicht gerade als besonders freundlich galt.

Braukunst, Saazer Hopfen und das Geheimnis des Pilsner Urquell
Natürlich erfährt man auch, wie Pilsner Urquell bis heute gebraut wird. Das traditionelle Dreimaischverfahren, bei dem Teile der Maische mehrfach gekocht werden, spielt dabei ebenso eine Rolle wie das weiche Wasser und der berühmte Saazer Hopfen. Zusammen mit der untergärigen Hefe entsteht der unverwechselbare Charakter des Bieres. Zwischendurch darf natürlich auch verkostet werden. Dabei wird deutlich, welchen Einfluss ein perfekt gereinigtes und gekühltes Glas sowie der richtige Schaum auf das Geschmackserlebnis haben. Besonders schön fanden wir, dass die Ausstellung nicht einfach nur Informationen vermittelt, sondern die Geschichte mit vielen kleinen Erlebnissen lebendig macht.

Tapster Academy: Die Kunst des perfekten Pilsners

Selber zapfen und die drei tschechischen Zapfstile kennenlernen
Nach der Ausstellung ging es für uns direkt an den Zapfhahn. In der Tapster Academy lernten wir, wie man Pilsner Urquell nach tschechischer Tradition richtig einschenkt. Dabei durften wir natürlich selbst Hand anlegen und alle drei klassischen Zapfstile ausprobieren. Beim Hladinka wird zunächst mit teilweise geöffnetem Hahn ein dichter, cremiger Schaum erzeugt, bevor das Bier unter den Schaum fließt. Das Ergebnis ist ein ausgewogenes Pilsner mit einer ungefähr drei Finger hohen Schaumkrone. Beim Šnyt wird deutlich mehr Schaum eingeschenkt und nur eine kleinere Menge Bier ergänzt. Dadurch schmeckt das Bier besonders weich und leicht süßlich. Der dritte Stil ist das Mlíko, bei dem das Glas fast vollständig aus cremigem Bierschaum besteht. Dieses Bier sollte möglichst schnell getrunken werden und überrascht mit einem unglaublich milden, süßlichen Geschmack. Besonders interessant: In tschechischen Restaurants kosten Šnyt und Mlíko teilweise genauso viel, obwohl sich die tatsächliche Biermenge deutlich unterscheidet.

Warum ein sauberes Glas so wichtig ist
Unser Tapster erklärte er uns, woran man ein schlecht gereinigtes Bierglas erkennt. Bilden sich am Glasrand größere Blasen oder haftet der Schaum nicht richtig, können Rückstände im Glas die Ursache sein. Bei einem perfekt gereinigten Glas bleibt der Schaum dagegen feinporig und cremig. Für uns war die Academy ein echtes Highlight, denn erst wenn man selbst am Zapfhahn steht, merkt man, wie viel Können hinter einem perfekt gezapften Pilsner steckt.

Beer Sommelier Lunch: Fünf Biere, fünf Genussmomente und jede Menge Geschichten

Nach so viel Biergeschichte und Zapfkunst wurde es kulinarisch. Beim Beer Sommelier Lunch erwartete uns ein mehrgängiges Menü mit passenden Bieren, begleitet von einem unglaublich sympathischen und fachkundigen Biersommelier Pete. Wir saßen in einer kleinen Runde zu zweit zusammen, was das Erlebnis besonders persönlich machte. Pete erzählte zu jedem Bier spannende Geschichten über die Brauereien, ihre Traditionen und die Menschen dahinter. Besonders beeindruckend war sein Wissen über Pilsner Urquell und die speziell ausgebildeten Mitarbeiter mit den blauen Hemden, die laut seiner Erzählung eine zehntägige Schulung absolvieren und von denen es nur etwa 25 im ganzen Land geben soll. Ausserdem hat Pete bereits den dritten Level im Cicerone Programm gemeistert.

1. Pilsner Urquell Lager mit Sauerteigbrot, Guacamole und eingelegtem Gemüse
Den Auftakt machte ein frisch gezapftes Pilsner Urquell Lager mit seiner wunderschönen goldgelben Farbe, einer cremigen Schaumkrone und dem typisch weichen Mundgefühl. Dazu gab es eine dicke Scheibe frisches Sauerteigbrot, großzügig bestrichen mit einer cremigen Guacamole. Garniert wurde das Ganze mit eingelegten roten Zwiebeln, frischer Petersilie und feinen Chiliringen, die für eine angenehme Schärfe sorgten. Besonders die Kombination aus cremiger Avocado, leicht säuerlichem Gemüse und der feinen Hopfenbittere des Pilsners harmonierte hervorragend. Die Frische des Bieres sorgte für einen schönen Ausgleich zur gehaltvollen Guacamole. Unser Sommelier erzählte uns außerdem spannende Geschichten über die historischen Lagerkeller in Pilsen und das seltene unfiltrierte Pilsner Urquell. Wie wir wenige Tage später selbst feststellten, kann man die unfiltrierte Variante in Pilsen sogar ganzjährig genießen. Ein richtig gelungener Einstieg in unser Beer Sommelier Lunch.

2. Fuller’s London Pride Amber Ale mit frittiertem Käse und würziger Mayonnaise
Der zweite Gang war für uns eine echte Überraschung. Im Glas hatten wir das englische Fuller’s London Pride Amber Ale, das mit seiner wunderschönen Bernsteinfarbe, einer angenehmen Malzsüße und feinen Karamellnoten überzeugte. Dazu wurden zwei goldbraun frittierte Käsekroketten serviert, die außen wunderbar knusprig und innen angenehm weich waren. Auf den Kroketten befand sich eine Mischung aus fein geschnittenem eingelegtem Gemüse, darunter Karotten und Kohl, sowie etwas frische Petersilie. Dazu gab es eine leicht scharfe, cremige Mayonnaise, die dekorativ über den Teller gezogen war. Unser Sommelier erklärte uns, dass es sich bei dem Käse um den traditionellen Olmützer Quargel handelt, der normalerweise für seinen extrem intensiven Geruch bekannt ist. Durch das Frittieren wird dieser jedoch deutlich milder und entwickelt einen überraschend leckeren Geschmack. Die malzigen und leicht süßlichen Noten des London Pride harmonierten hervorragend mit dem würzigen Käse und der pikanten Sauce. Besonders spannend waren auch die Geschichten unseres Sommeliers über die englische Brautradition und die Geschichte von Fuller’s. Für uns definitiv eines der besten Foodpairings des Tages.

3. Van Steenberge Augustijn Blonde Ale mit paniertem Käse, Pommes und cremiger Sauce
Beim dritten Gang wurde es richtig herzhaft. Serviert wurde das belgische Augustijn Blonde Ale von Van Steenberge, ein fantastisches Bier mit einer wunderschönen goldgelben Farbe, einer angenehmen Fruchtigkeit und einer leicht würzigen Hefenote. Um die Hefe deutlicher zu spühren gab es ein kleines Glas mit dme Absatz dazu. Die herrlichen Pfirsichnoten waren einfach unglaublich. Dazu gab es mehrere große, goldbraun panierte Käsestücke, die auf einer Portion knuspriger Pommes frites angerichtet waren. Begleitet wurde das Gericht von einer cremigen, mit frischem Schnittlauch verfeinerten Sauce, die hervorragend zum würzigen Käse passte. Außen schön knusprig und innen wunderbar weich, war der Käse ein echtes Highlight. Besonders interessant fanden wir, wie gut die fruchtigen und leicht würzigen Aromen des belgischen Blonde Ales mit dem kräftigen, frittierten Käse harmonierten. Die Kohlensäure und die dezente Bitterkeit sorgten dabei für einen angenehmen Ausgleich zur gehaltvollen Speise. Unser Sommelier erzählte uns dazu spannende Geschichten über die belgische Braukultur und die traditionsreiche Brauerei Van Steenberge. Ein richtig leckeres Gericht, das wunderbar zeigte, dass Bier und deftiges Essen hervorragend zusammenpassen.

4. Elektrárna Cherry Sour mit Roquefort, karamellisiertem Apfel und Pekannüssen
Der vierte Gang war geschmacklich wohl die außergewöhnlichste Kombination des gesamten Lunchs. Im Glas hatten wir ein frisch gezapftes Cherry Sour von Elektrárna, das mit seiner intensiven rötlichen Farbe, einer ausgeprägten Kirschfrucht und einer kräftigen, erfrischenden Säure begeisterte. Laut unserem Sommelier wurde das Bier mit einem besonders hohen Kirschanteil von rund 60 Prozent hergestellt. Dazu servierte die Küche zwei kleine, kunstvoll angerichtete Häppchen auf geröstetem Brot. Auf einer cremigen Schicht Roquefort befanden sich karamellisierte Apfelstücke, garniert mit einer Nusskomponente und frischer Petersilie. Die kräftige Würze des Blauschimmelkäses, die Süße des karamellisierten Apfels und die fruchtige Säure des Kirschbieres ergaben eine unglaublich spannende Kombination. Besonders schön war das Zusammenspiel zwischen süß, sauer und salzig. Für uns war dieses Foodpairing eine echte Geschmacksexplosion und ein wunderbares Beispiel dafür, wie kreativ Bierbegleitungen sein können.

5. Kozel Dark mit Apfelstrudel, Zimt und Schlagsahne
Zum Abschluss wurde es süß und typisch tschechisch. Serviert wurde das dunkle Kozel Dark, ein angenehm weiches Lagerbier mit malzigen, leicht karamelligen und dezent gerösteten Aromen. Dazu stand laut Menükarte ein klassischer Apfelstrudel mit Zimt, Schlagsahne und etwas Puderzucker auf dem Programm. Die fruchtige Süße der Äpfel und die warme Zimtnote passen geschmacklich hervorragend zu den karamelligen Malzaromen eines dunklen Lagers. Gerade die Kombination aus Dessert und dunklem Bier ist besonders interessant, da die feinen Röstaromen einen schönen Kontrast zur Süße bilden können. Unser Sommelier erzählte uns dazu noch einige unterhaltsame Geschichten über die Brauerei Velkopopovický Kozel, ihre Traditionen und den berühmten Ziegenbock als Markenzeichen. Ein schöner Abschluss für einen außergewöhnlichen Mittag voller spannender Biere und überraschender Geschmackskombinationen.

Fazit

Die Pilsner Urquell Experience war für uns eines der schönsten Biererlebnisse in Prag. Die interaktive Ausstellung vermittelt die Geschichte des Pilsners auf eine unterhaltsame Weise, während man in der Tapster Academy selbst erlebt, wie viel Können hinter einem perfekt gezapften Bier steckt. Besonders beeindruckend fanden wir die unterschiedlichen Geschmacksprofile der drei Zapfstile und natürlich den kleinen Bartender Espresso mit seiner kräftigen Kohlensäure.

Das absolute Highlight war aber auch das Beer Sommelier Lunch. Nicht nur wegen der hervorragenden Biere und der gelungenen Kombinationen mit dem Essen, sondern vor allem wegen unseres Sommeliers. Seine Begeisterung, sein unglaubliches Wissen und die vielen kleinen Geschichten über Brauereien, Biertraditionen und besondere Menschen haben diesen Mittag zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Wer Prag besucht und Bier liebt, sollte sich dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen. Wir würden die Kombination aus Experience, Tapster Academy und Sommelier Lunch jederzeit wieder buchen. Denn genau solche Tage zeigen, dass Bier weit mehr ist als nur ein Getränk. Es ist Geschichte, Handwerk, Genuss und vor allem die Leidenschaft der Menschen, die dahinterstehen.

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