Trip nach Schweden

Trip nach Schweden

Wenn es im Sommer schon in die skandinavischen Länder geht, darf Schweden natürlich nicht fehlen. Unser Ziel ist Göteborg, eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern, die sich trotzdem erstaunlich entspannt anfühlt. Vieles verteilt sich über die verschiedenen Stadtteile und Inseln, sodass man gar nicht das Gefühl bekommt, mitten in einer Großstadt zu sein. Für uns geht es diesmal in ein Airbnb direkt am See. Und was darf bei einem solchen Urlaub natürlich nicht fehlen? Richtig, Bier. Also machen wir uns auch in Schweden auf die Suche nach spannenden Brauereien, guten Bieren und natürlich dem einen oder anderen schwedischen Geheimtipp.

Supermarkt & Systembolaget

Wer in Schweden einfach spontan ein Bier im Supermarkt kaufen möchte, stößt schnell auf die Besonderheit des schwedischen Alkoholrechts. Im normalen Supermarkt gibt es Bier, allerdings nur bis maximal 3,5 Prozent Alkohol. Das schränkt die Auswahl bei Craft Beer natürlich deutlich ein. Ein paar interessante Sachen lassen sich trotzdem finden. Unser kleiner Tipp aus dem Supermarkt ist das Stonewall Inn IPA von Brooklyn Brewery. Dazu kommen die klassischen schwedischen Lagerbiere, beispielsweise von Pripps. Nicht spektakulär, aber unkompliziert, süffig und genau das, was man an einem warmen Sommertag manchmal einfach möchte.

Wer allerdings etwas mehr Alkohol im Glas haben möchte, kommt am Systembolaget nicht vorbei. Der staatliche schwedische Alkoholhandel wird von vielen scherzhaft auch als Monopoly bezeichnet, denn wer Bier, Wein oder Spirituosen mit höherem Alkoholgehalt kaufen möchte, landet zwangsläufig dort. Und tatsächlich fühlt sich ein Besuch schnell wie ein Ausflug in einen riesigen Getränkemarkt an. Die Auswahl ist hervorragend sortiert und gerade bei Craft Beer gibt es einiges zu entdecken.

Fast alles? Nun ja. Bei Stouts und vor allem bei Barrel-Aged-Bieren wird es deutlich schwieriger. Hier ist die Auswahl eher überschaubar. Eine Ausnahme bilden teilweise belgische Biere, die deutlich stärker vertreten sind. Später erfahren wir auch von den Brauern, warum das so ist: Gerade im Sommer verkaufen sich schwere, alkoholreiche Biere in Schweden einfach schlechter.

Preislich muss man sich ebenfalls auf Schweden einstellen. Ein klassisches Bier aus dem deutschen Supermarkt bekommt man natürlich deutlich günstiger. Für ordentliches Craft Beer im Systembolaget sind aber häufig nur etwa zwei bis vier Euro für die normalen Sorten fällig. Das finden wir absolut fair. Wer einen gut sortierten deutschen Craft-Beer-Markt gewohnt ist, findet sich im Systembolaget schnell zurecht und kann sich problemlos durch das Sortiment shoppen. Wichtiger Tipp: Wenn ihr online bei Systembolaget reingeht und eine Flasche entdekct könnt ihr sie jederzeit kostenlos in den Getränkeladen vor Ort bestellen.

Beerbliotek

Mit Beerbliotek hatten wir schon vor einigen Jahren versucht, Kontakt aufzunehmen. Damals schien ein Besuch nahezu unmöglich. Dieses Mal klappt es endlich und Richard, der Chef hinter der Brauerei, lädt uns tatsächlich ein. Vor Ort treffen wir allerdings Henke, der sich um Sales und Vertrieb kümmert. Und der Mann ist definitiv kein Neuling in der Branche. Dazu kommt Tom, der Head Brewer von Beerbliotek, der ursprünglich von Northern Monk nach Göteborg gekommen ist.

Viel Zeit haben wir nicht, aber schon die erste Begrüßung macht klar, dass wir hier richtig sind. Tom drückt uns ein frisch gezapftes Session IPA direkt vom Tank in die Hand. Frischer geht es kaum und besser kann eine Brauereiführung eigentlich auch nicht beginnen.

Danach geht es durch die Halle. Wir bekommen einen Eindruck davon, was es bedeutet, wenn nach einem Festivalwochenende wieder aufgeräumt werden muss. Zwischen Fässern, Kisten und jeder Menge Arbeit bleibt trotzdem Zeit für einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen. Beerbliotek ist längst keine kleine Garagenbrauerei mehr. Die Produktion ist professionell aufgebaut und die Anlage modern und effizient.

Tom zeigt uns seinen Arbeitsplatz, die Tanks und die verschiedenen Stationen der Produktion. Dabei wird schnell deutlich, dass hier ordentlich gearbeitet wird. Produziert wird praktisch rund um die Uhr, denn eine Brauerei dieser Größe muss ihre Kapazitäten entsprechend nutzen.

Henke erzählt uns viel über die schwedische Bierszene und die aktuelle Marktsituation. Auch in Schweden ist der Craft-Beer-Markt nicht mehr ganz so einfach wie noch vor einigen Jahren. Die Nachfrage nach klassischem Craft Beer ist teilweise rückläufig und der Wettbewerb ist groß. Gleichzeitig funktionieren Veranstaltungen, Konzerte und Festivals weiterhin hervorragend. Gerade dort zeigt sich, dass die Menschen durchaus Lust auf besondere Biere haben, wenn das Umfeld stimmt.

Eine Stunde vergeht bei Beerbliotek wie im Flug. Wir haben jede Menge Spaß, bekommen einen spannenden Einblick in die Brauerei und müssen dann leider schon wieder weiter. Doch Henke lässt uns natürlich nicht einfach so gehen. Eine komplette Jutetasche wird mit Leckereien gefüllt. Und weil er dabei nicht nur an uns denkt, sondern auch die Frauen und Kinder berücksichtigt, gibt es von uns dafür ein ganz klares: großes Lob!

Stigbergets Bryggeri

Unser nächster Termin führt uns zu Stigbergets Bryggeri. Umgangssprachlich wird aus Stigbergets in Göteborg schnell einfach „Stigi“. Vor Ort treffen wir Oli Banks, den Head Brewer. Oli hat an diesem Tag eigentlich kaum Zeit. Bei Stigbergets wird gerade enorm viel Bier produziert und zusätzlich sind kurzfristig einige private und geschäftliche Dinge dazwischengekommen. Trotzdem nimmt er sich die Zeit für uns. Und das wissen wir wirklich zu schätzen.

Schon die Größe der Brauerei beeindruckt. Stigbergets befindet sich auf einem Gelände, das auch vom großen Obst- und Gemüsemarkt genutzt wird. Das Gebäude ist riesig und wir laufen zunächst einmal komplett nach oben, bevor es anschließend wieder hinunter in die Lagerbereiche mit den gewaltigen Tanks geht.

Und dann stehen wir plötzlich vor einer ganzen Batterie aus Edelstahl. Ganze elf große Tanks stehen dort und machen deutlich, in welcher Größenordnung Stigbergets inzwischen arbeitet. Von einer kleinen Craft-Beer-Brauerei, die ein paar spezielle Sude im Monat produziert, ist hier definitiv nichts mehr zu sehen.

Oli nimmt uns allerdings zunächst mit zum Anfang des Prozesses. Im Malzdepot liegt das Getreide, das unter anderem aus England, Deutschland und weiteren Regionen der Welt kommt. Daneben steht eine riesige Malzmühle. Das geschrotete Malz wird direkt in Richtung der Sudkessel transportiert, die sich im angrenzenden Bereich befinden.

Die gesamte Anlage ist hochmodern und weitgehend computergesteuert. Gleich drei Sudkessel beziehungsweise Produktionsbereiche sind hier im Einsatz. Bei diesen Dimensionen braucht es natürlich auch entsprechende Technik für die Hopfengabe. Eine eigene Hop Gun gehört deshalb genauso zur Ausstattung wie eine leistungsfähige Filteranlage.

Besonders spannend ist für uns das Thema Stickstoff. Stigbergets produziert den benötigten Stickstoff inzwischen selbst, um damit unter anderem die entsprechenden Biere zu karbonisieren beziehungsweise mit Stickstoff zu versetzen. Aktuell besteht dafür noch ein Vertrag mit einem externen Anbieter, aber schon bald möchte die Brauerei auch in diesem Bereich vollständig unabhängig sein.

Dann geht es weiter durch die Lagerbereiche. Das Dosenlager ist riesig und auch beim Hopfen wird nicht gekleckert. Die Rohstoffe kommen aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Beim klassischen Grundhopfen ist auch deutscher Hopfen gut vertreten.

Natürlich darf bei einer solchen Tour auch die Verkostung nicht fehlen. Oli holt kurzerhand ein Seidla hervor und wir probieren das Hoppy Lager. Und was sollen wir sagen? Ein absoluter Traum. Frisch vom Tank, hopfig, sauber und unglaublich trinkbar. Ein Bier, bei dem man sofort versteht, warum es so gut funktioniert.

Und weil ein Bier natürlich nicht allein bleiben sollte, folgt direkt noch ein Pale Ale. Ebenfalls frisch vom Tank und ebenfalls mächtig lecker.
Leider können wir von Stigbergets keine offiziellen Samples mitnehmen. Die Brauerei unterliegt den schwedischen Regeln rund um Alkohol am Arbeitsplatz und die Weitergabe von Alkohol ist entsprechend streng geregelt. Das respektieren wir natürlich. Ganz leer gehen wir am Ende trotzdem nicht aus. Wir kommen noch an ein paar Dosen. Welche genau, bleibt an dieser Stelle allerdings unser kleines Geheimnis. Wer also schnell genug bei uns vorbeikommt, bekommt vielleicht irgendwann die Chance, eine davon zu probieren.

Und damit endet unser kleiner Ausflug in die Göteborger Craft-Beer-Szene. Wir haben gelernt, dass Schweden beim Bier etwas anders tickt. Der Zugang zu Alkohol ist stärker reglementiert, das Systembolaget ist für Bierfans Pflichtprogramm und die Craft-Beer-Szene steht vor ihren ganz eigenen Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es in Göteborg Brauereien, die auf beeindruckende Weise zeigen, wie professionell und vielfältig schwedisches Craft Beer geworden ist.

Für uns steht deshalb fest: Göteborg und Bier funktionieren verdammt gut zusammen.

Bildquelle Titel: Depositephotos.com



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