Craft Beer Festival Straßburg 2026

Craft Beer Festival Straßburg 2026

Vor einigen Wochen ging es für uns nach Straßburg zum Craft Beer Festival 2026. Und weil bei einem Bierfestival bekanntlich nicht nur das Ziel zählt, sondern durchaus auch der Weg dorthin, begann der Ausflug morgens am Flixbus. Für rund 20 Euro hin und zurück ist das von Stuttgart aus eine ziemlich entspannte Angelegenheit. Also einen Vierertisch klargemacht, zusammengesetzt und bereits während der Fahrt die ersten Biere probiert. Man muss schließlich vorbereitet in so ein Festival gehen.

Nach der Ankunft in Straßburg hatten wir noch reichlich Zeit, bevor am Abend die Türen des Festivals öffneten. Die wurde nicht einfach abgesessen. Stattdessen arbeiteten wir unsere persönliche Straßburg-Bucket-List ab: Flammkuchen essen, regionales Bier probieren, einen Abstecher ins Bierpub La Lanterne machen, einen Biershop besuchen, Champagner und Macarons testen und nebenbei noch ein bisschen Sightseeing betreiben. Straßburg eignet sich dafür hervorragend, denn Essen, Bier und Altstadt lassen sich hier ziemlich problemlos miteinander verbinden.

Damit war die Grundlage geschaffen. Zeit für das eigentliche Ziel der Reise.

Ankunft beim Craft Beer Festival

Am Abend war beim Festival bereits ordentlich Betrieb. Dank des perfekten Wetters verlief sich die Menge allerdings angenehm zwischen der Halle und dem Außenbereich. Im Hof standen verschiedene Food Trucks, bei denen es unter anderem asiatisches Essen, Burger, Falafel und Pommes gab. Eine ziemlich sinnvolle Auswahl für einen langen Abend mit vielen kleinen Bierproben. Beim Einlass gab es zunächst das Festivalglas. Und das war erfreulicherweise kein winziges Probierglas, sondern ein Pintglas. Danach konnte es direkt zum ersten Stand gehen.

Die Auswahl machte schnell deutlich, warum sich der Ausflug nach Straßburg gelohnt hatte. Insgesamt waren 23 Brauereien vertreten: Alea Brewing Co, Beaux Jours, BrAuerhahn UG, Canucks Braukunst, Harpagan, Strange Brew, Brasserie Bendorf, Brasserie Roue Libre, La Fondation, Les Intenables, Mogwaï Beer Company, 3ienchs, Les Danaïdes, Ibex, Octa, Pikadili, Pleine Lune, Popihn, Second Degré, Soquee Brewing, Sparkle, Vif und Outer Range Brewing Co.
Entsprechend breit war auch das Spektrum im Glas. Bei Brasserie des Beaux Jours standen etwa Usufruit und Basilic Instinct bereit. Harpagan brachte unter anderem Leżaczek Ukojenia 2026, HRR: Vyraj und Zordodruid 2026 mit. Bei OCTA gab es La Kari, ASTRA und Alto, während Brasserie Alchimistes Ivres mit Lux ein White Stout ausschenkte.

La Fondation hatte unter anderem Picaros, Groove Is In the Fruit sowie Liberté, Egalité, IPA dabei. Les Intenables schenkten Future In the Past, Just Married, Sunny Day Dreamer und Soleil Noir aus. Bei Outer Range Brewing Co. konnten wir Deep Drift, Sun Flash, Valley To Summit und Cloud Deck probieren.

Das Festival zeigte damit ziemlich gut, was moderne Craft-Beer-Festivals interessant macht. Es geht nicht nur darum, möglichst viele IPAs nebeneinanderzustellen. Frucht, Säure, Holzfassreifung, Chili, ungewöhnliche Zutaten und experimentelle Interpretationen klassischer Bierideen gehörten genauso dazu. Gerade bei solchen Bieren ist eine starre Stilbetrachtung ohnehin wenig hilfreich. Die BJCP-Richtlinien verstehen sich ausdrücklich als Leitlinien und nicht als unumstößliche Spezifikationen. Entscheidend bleiben Gesamteindruck, Balance und die Frage, ob die jeweilige Idee sensorisch funktioniert. Das passt auch zum analytischen Ansatz des Beer Intelligence Systems, technische Qualität, Stilkonformität, persönliche Vorliebe, kommerzielle Attraktivität und Innovation nicht miteinander zu vermischen.

Mango, Säure und unsere Favoriten

Bei all den Bieren kristallisierte sich bei uns relativ schnell eine Richtung heraus. Einige unserer Favoriten kamen aus der fruchtig-sauren Ecke.
Les Danaïdes überzeugte mit dem Magma Mango, einem sauren, deutlich fruchtbetonten Bier mit Mango. Bei Pikadili wurde es mit Mangue Chipotle noch eine Spur ungewöhnlicher. Mango trifft hier in einem Fruited Sour auf Chipotle. Die Kombination aus Frucht, Säure und Chili funktioniert gerade auf einem Festival gut, weil sie zwischen hopfenintensiven und schweren Bieren einen kompletten sensorischen Richtungswechsel bietet.

Ebenfalls hängen geblieben ist Popihns FLORIDA WEISSE mit Passionsfrucht, Guave und Mango. Die Berliner-Weisse-Idee wird hier zur modernen Fruchtbombe weitergedreht. Das ist weit entfernt von einer klassischen Berliner Weisse, zeigt aber gleichzeitig, welchen Stellenwert Frucht und Säure inzwischen innerhalb der internationalen Craft-Beer-Szene haben.

Überhaupt war Popihn einer der Stände, bei denen man nicht unbedingt nach dem gewöhnlichsten Bier greifen sollte.

Russian Imperial Stout mit Chili und 24 Monaten Bourbonfass
Das RUSSIAN IMPERIAL STOUT – Hot Chili Sauce BA / Bourbon 24 Mois von Popihn war eines dieser Biere, bei denen schon der Name deutlich macht, dass Zurückhaltung nicht Teil des Rezepts war.

12 Prozent Alkohol, Hot Chili Sauce und anschließend 24 Monate Reifung im Bourbonfass. Hier treffen die kräftigen Röst- und Malzaromen eines Imperial Stouts auf Alkoholwärme, Holz, Bourboncharakter und Schärfe. Gerade bei solchen extremen Bieren entscheidet die Balance darüber, ob aus möglichst vielen intensiven Komponenten tatsächlich ein spannendes Bier wird oder lediglich sensorische Überforderung entsteht.

Genau für solche Biere gehen wir aber auf Festivals. Ein unkompliziertes Feierabendbier können wir auch zu Hause trinken. Ein zwölfprozentiges, zwei Jahre im Bourbonfass gereiftes Imperial Stout mit Hot Chili Sauce begegnet einem dagegen nicht jeden Freitagabend.

Burgercalypse: Wenn Bier plötzlich nach Burger schmeckt
Den Preis für eines der verrücktesten Biere des Abends hätte allerdings die Mogwaï Beer Company verdient. Dort standen mit Deader Than Dead, Possessed By Scoville, Continurien und Burgercalypse gleich mehrere interessante Kandidaten bereit.

Burgercalypse ist eine „Burger Style Smoothie Gose“. Und das ist tatsächlich so absurd, wie es klingt.

Tomatensauce, rote Zwiebeln, Gewürzgurken, Barbecue-Sauce und Pfeffer erzeugen einen herzhaften und würzigen Charakter. Rauchmalz soll zusätzlich die Assoziation von Bacon ins Spiel bringen. Dazu kommen die Säure einer Gose und eine leichte Schärfe.

Im Glas entsteht dadurch etwas, das mit der klassischen Erwartung an Bier nur noch bedingt zu tun hat. Tomatig, salzig, sauer, würzig und pikant erinnert Burgercalypse im ersten Moment eher an eine scharfe kalte Tomatensuppe oder tatsächlich an einen verflüssigten Burger. Ob man davon einen halben Liter trinken möchte, ist eine andere Frage. Als Festivalbier erfüllt es seine Aufgabe dagegen perfekt: Man probiert es, diskutiert darüber und erinnert sich noch Wochen später daran.

Und genau darin liegt für uns ein großer Teil des Reizes eines Craft-Beer-Festivals. Nicht jedes Bier muss der nächste persönliche Favorit werden. Manchmal reicht es vollkommen, wenn ein Bier eine Idee konsequent umsetzt und etwas bietet, das man vorher noch nie im Glas hatte.

Von Straßburg noch lange nicht genug

Nach vielen kleinen Proben, Mango, Passionsfrucht, Guave, Chili, Bourbon, Rauchmalz und einem flüssigen Burger war irgendwann Schluss auf dem Festival. Der Abend war damit allerdings noch nicht ganz vorbei.

Zurück in der Nähe unseres Hotels landeten wir noch in einem Pub. Eigentlich hätte man nach diesem Tag problemlos sagen können: Das reicht jetzt mit Bier. Hat natürlich niemand gesagt.

Das letzte Bier der Reise wurde deshalb ein Meteor. Nach all den wilden Kreationen des Festivals war ein vergleichsweise unkompliziertes Bier im Pub fast schon ein kleiner sensorischer Neustart. Kein Mango-Chipotle-Sour, kein 24 Monate im Bourbonfass gereiftes Chili-Imperial-Stout und vor allem kein Bier, das versucht, wie ein Burger zu schmecken. Einfach ein Meteor zum Abschluss eines langen Tages.

Und vielleicht war genau das der passende Schlusspunkt für unseren Ausflug nach Straßburg. Das Craft Beer Festival 2026 bot reichlich Gelegenheit, sich durch moderne Sours, IPAs, Stouts, fassgereifte Biere und komplett verrückte Experimente zu probieren. Dazu kamen gutes Wetter, Food Trucks, eine entspannte Atmosphäre und eine Stadt, in der sich schon die Stunden vor dem Festival problemlos mit Bier, Flammkuchen und französischen Spezialitäten füllen lassen.

Für rund 20 Euro Busfahrt und einen Tag voller Biererlebnisse war Straßburg für uns definitiv eine Reise wert.



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